Stimmung zu Aktienanlagen weiter auf hohem Niveau
Deutscher Geldanlage-Index DIVAX-GA auf historisch zweithöchstem Wert
Neobroker auf dem Vormarsch
KI-Nutzung hält Einzug bei der Geldanlage
Weiter großes Interesse an persönlicher Beratung
Frankfurt/Main, 18.8.2026. Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen bleibt die Stimmung in der Bevölkerung zu aktienbasierten Geldanlagen gut. Dies zeigt der Deutsche Geldanlage-Index (DIVAX-GA) des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), der im Juli 2026 mit 34,5 Punkten den zweithöchsten Wert seit Beginn der halbjährlichen Messungen im Sommer 2020 erreicht hat. Nur im Winter 2024 war der Wert mit 35,5 Punkten etwas höher. Befragt wurden knapp 2.000 Bürgerinnen und Bürger.
„Die positive Grundstimmung ist absolut plausibel“, kommentiert Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA, „denn die großen Börsen-Indices sind weiter auf Rekordkurs, und intakte Aufwärtstrends an der Börse bestimmen das Meinungsbild zu Aktien eben viel stärker als die Politik oder kriegerische Konflikte. Im Gegenteil: Es hat sich offensichtlich die Haltung manifestiert, dass den Börsen abgesehen von kurzfristigen Rücksetzern nichts etwas anhaben kann“.
Ostdeutschland schließt auf – junge Menschen besonders positiv
Erfreulich ist die Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern. Dort steigt der Index von 27,4 auf 35,4 Punkte. Damit liegt er erstmals praktisch gleichauf mit dem Westen. Auch bei den jüngeren Befragten setzt sich der positive Trend fort. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen erreicht der Index 52,0 Punkte und steigt damit gegenüber der vorherigen Erhebung nochmals um 4,9 Punkte. Dazu Schellenberger: „Hier zeigt sich deutlich, wie Disruption Märkte und Verbraucherverhalten verändern kann. Denn die Haltung junger Menschen zu Aktienanlagen ist ganz sicher auch den Neobrokern zuzuschreiben, denen es besser als den Banken gelungen ist, die Jungen für sich zu gewinnen“.
Neobroker weiter auf dem Vormarsch
Diesen Trend bestätigt auch die Frage nach der Marktdurchdringung. Innerhalb von nur einem halben Jahr hat sich der Anteil derjenigen, die bei einem Neobroker oder einer Neobank ein Depot führen, von 24,3 auf aktuell 28,1 Prozent erhöht. Vor allem die Jüngeren bis 29 Jahren gehören mit 51,9 Prozent dazu. „Die Neobanken mit ihren smarten Apps und neuen Angeboten wie der Verzinsung von Kontenguthaben machen den Banken und Sparkassen inzwischen spürbar Konkurrenz.
Die Reaktionen darauf sind bereits zu sehen, denn auch die etablierten Häuser bieten inzwischen kostengünstige und einfache Trading-Apps an oder haben das Online-Banking ganz neu aufgestellt“, kommentiert Schellenberger.
Nutzung von KI bei der Geldanlage
Erstmals wurde vom DIVA bei der Befragung auch das Thema KI aufgegriffen. Rund 50 Prozent der Befragten gaben an, diese bereits zu nutzen, allerdings mit sehr unterschiedlichem Fokus. Knapp 25 Prozent setzen sie ein, um sich über Geldanlagen zu informieren und sich zu orientieren. Der Anteil derjenigen, die mit Hilfe der KI-Anlageempfehlungen eines Beraters hinterfragen liegt unter 10 Prozent. „Das sind plausible Ergebnisse“, kommentiert Oliver Mathais, Geschäftsführer des Bundesverbands der Assekuranzführungskräfte VGA, einer der Trägerverbände des DIVA, „denn wer sich beraten lässt, will sich ja gerade nicht die Mühe machen, zeitaufwändig zu recherchieren. Außerdem spielt in der Beratung immer auch Vertrauen eine große Rolle. Ein nachträgliches Hinterfragen spricht eher für Misstrauen“.
Deutliche Mehrheit will persönliche Beratung
Unverändert hoch ist mit 72,1 Prozent der Anteil derjenigen, die persönliche Beratung als notwendig erachten, um erfolgreich in Aktienanlagen zu investieren. „Wir hätten uns hier von der Politik beim Altersvorsorgedepot und bei der Frühstartrente mehr Realitätsbezug gewünscht. Denn beide Projekte gehen vom „Homo Oeconomicus“ aus, der seine Geldanlage rational eigenständig und ohne Beratung regelt. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kostendeckel, das Zillmerverbot und die Beschränkung der Frühstartrente auf das Standardprodukt zeigen, dass hier Politik an der deutlichen Mehrheit der Bevölkerung vorbei gemacht wurde und wird. Das Mindeste wäre gewesen, für die Frühstartrente auch das Altersvorsorgedepot zuzulassen. Jetzt wird es wohl so kommen, dass vermutlich mehr als 90 Prozent der Finanzmittel im Staatsfonds der Bundesbank landen werden,“ kommentiert Mathais die Befragungsergebnisse im Kontext zur Politik.
Die Umfrage ist Teil der aktuellen Sommer-Ausgabe des Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA) und wurde im Auftrag des DIVA von INSA-CONSULERE durchgeführt. Befragt wurden ca. 2.000 Personen in Deutschland. Alle Ergebnisse sind auf der Webseite des DIVA zu finden.
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